SchlagwortHolocaust

Selig sind die geistig Armen

Und seit dem letzten Sonntag, dem 09. Oktober 2005, auch Kardinal Clemens August von Galen. Der so genannte „Löwe vom Münster“ wurde wegen seines (angeblichen) Widerstands in der NS-Zeit selig gesprochen. In seinem Hirtenbrief -blöckt Ihr Schafe da draußen!- vom 14. September 1941 sprach er sich gegen die Tötung von Geisteskranken (Quelle: Der Spiegel, 17.11. 2003, nach jungeWelt, 07.10.05) aus.
Sicherlich ist es richtig und nobel sich gegen die Ermordung von sogenannten Geisteskranken auszusprechen. Ihn allerdings dann als Heiligen – Verzeihung Seligen zu titulieren, ist Hohn, wenn man den Rest des Briefes betrachtet. Dort nämlich spricht er sich für den Überfall auf die Sowjetunion aus, lobt den Angriff als

„Befreiung von einer ernsten Sorge und eine Erlösung von schwerem Druck“ […]
Galen zitiert in diesem Zusammenhang zustimmend Hitlers Wort von der ›jüdisch-bolschewistischen Machtherrschaft‹ in Moskau. (ebd.)

Von Galen ist ein Befürworter des Angriffskrieges und auch ein Antisemit gewesen. Überdachte er vielleicht seine Einstellungen? Lies „Selig sind die geistig Armen“ weiter

Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung.

„Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die
allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, dass
ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen.“

schrieb Adorno in dem Artikel „Erziehung nach Auschwitz„. Dieser Artikel und gerade der erste Satz ist sicherlich einer der bekanntesten bzw. am häufigstenzitierten von Adorno.
Hier noch drei weitere Zitate aus dem Artikel, die ich für lesenswert halte:

„Die einzig wahrhafte Kraft gegen das Prinzip von Auschwitz wäre
Autonomie, wenn ich den Kantischen Ausdruck verwenden darf; die Kraft
zur Reflexion, zur Selbstbestimmung, zum Nicht-Mitmachen.“

„Erziehung müsste Ernst machen mit einem Gedanken, der der
Philosophie keineswegs fremd ist: dass man die Angst nicht verdrängen
soll. Wenn Angst nicht verdrängt wird, wenn man sich gestattet, real so
viel Angst zu haben, wie diese Realität Angst verdient, dann wird
gerade dadurch doch manches von dem zerstörerischen Effekt der
unbewussten und verschobenen Angst verschwinden.“

„Ich fürchte, durch Maßnahmen auch einer noch so weit gespannten
Erziehung wird es sich kaum verhindern lassen, dass Schreibtischmörder
nachwachsen. Aber dass es Menschen gibt, die unten, eben als Knechte
das tun, wodurch sie ihre eigene Knechtschaft verewigen und sich selbst
entwürdigen; dass es weiter Bogers und Kaduks gebe, dagegen lässt sich
doch durch Erziehung und Aufklärung ein Weniges unternehmen.“

Der Artikel von Adorno ist zwar sicherlich interessant, aber ich für meinen Teil finde ihn schwierig zu lesen und auch etwas zu „unpraktisch“, zu philosophisch. Aber das sei jedem selber überlassen.